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29. Nov 2017 Auf Telefonbetrug hereingefallen – kann eine Mitarbeiterin dafür vom Arbeitgeber haftbar gemacht werden?


Telefonbetrüger werden immer dreister, aber leider auch immer besser. Eine der frechen Betrugsmaschen ist beispielsweise der Trick „Hallo, können Sie mich hören“. Wer hier mit „Ja“ antwortet wird wenig später mit einer offenen Forderung durch ein Inkasso-Büro konfrontiert. Der Beweis für den angeblich abgeschlossenen Kauf ist dann ein Telefonmitschnitt, in dem man auf die Frage nach einer kostenpflichtigen Bestellung laut und deutlich mit Ja antwortet. Ein anderes Beispiel sind die angeblichen Microsoft-Mitarbeiter, die sich aktuell wieder in gebrochenem Englisch melden und wegen eines Computerproblems „Hilfe“ anbieten. Diese haben es darauf abgesehen, Schadsoftware unterzubringen oder Zugangsdaten zum Firmenserver abzugreifen. Was passiert, wenn ein Mitarbeiter im Betrieb auf so einen Betrug hereinfällt und damit womöglich Kosten entstehen lässt oder Schaden verursacht? Eine Antwort auf diese Frage lieferte im August das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf (Urteil vom 29.08.2017; Az.: 14 Sa 334/17).

3.720 Euro Schaden – die Versicherung will sich das Geld von der Mitarbeiterin zurückholen
Angeklagt von ihrem Arbeitgeber wurde eine Tankstellen-Kassiererin, die dort in Teilzeit seit Juni 2015 beschäftigt ist. Diese war „an ein bis zwei Tagen“ eingearbeitet worden. Neben vielen anderen Informationen erhielt sie im Rahmen dieser Einarbeitung auch die betriebliche Anweisung, Telefonkarten für Mobiltelefone nicht am Telefon zu verkaufen oder anders abzuwickeln. Am 29.09.2015 erhielt die Kassiererin kurz vor 23:00 Uhr einen Anruf. Der Anrufer erklärte ihr, dass wegen einer internen Systemumstellung alle 30-Euro-Prepaidkarten ersetzt werden müssten. Unter seiner Anleitung scannte die arglose Kassiererin alle 124 30-Euro-Prepaidkarten und gab sämtliche Prepaid- Codes am Telefon durch. Den entstandenen Schaden von 3.720 Euro beglich die Versicherung der Tankstelle, verklagte aber danach die Angestellte auf Schadensersatz.

Diese Klage wurde noch einmal abgeschmettert – dieses Mal!
Die Düsseldorfer Richter lehnten die Klage ab. Aus dem Arbeitsvertrag ließ sich eine Haftung nur bei grober Fahrlässigkeit ableiten. Diese sah das Landesgericht aber nicht als gegeben an. Die Anrufer seien sehr professionell vorgegangen – die Kassiererin habe die erforderliche Sorgfalt nicht in „ungewöhnlich hohem Maße“ verletzt.