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06. Okt 2017 Bewerben per Skype – was sagen Datenschützer dazu?

Die Bewerberin, eine Lehrerin, sitzt in Malaysia, der potenzielle Arbeitgeber, eine Gundschule, in Baden-Württemberg. Das Bewerbungsgespräch findet über Skype statt. Positiv – die Schule will die Lehrerin einstellen. Das Regierungspräsidium Stuttgart interveniert mit dem Argument, die "persönliche Teilnahme am Bewerbungsgespräch sei nicht verhandelbar". Diese Entscheidung wird in den Medien stark diskutiert und letztendlich als nicht mehr zeitgemäß eingestuft. Das Kultusministerium in Baden-Württemberg überlegt daraufhin, die Vorschriften für das Bewerbungsverfahren zu lockern. Das ruft wiederum die Datenschützer auf den Plan. Zuerst einmal: nicht nur für Bewerbungsgespräche sehen Datenschützer den Einsatz von Skype kritisch. Mittlerweile gehört der Anbieter dem US-Konzern Microsoft. Jegliche Form von Kommunikation läuft über die Server des Unternehmens – ganz sicher nicht nur an Standorten, die unter ein europäisches oder vergleichbares Datenschutzniveau fallen. Microsoft kann auf die Daten der Skype-Nutzer zugreifen, diese offenlegen und aufbewahren. Der Dienst garantiert die Vertraulichkeit von Nutzerbeiträgen ausdrücklich nicht. Davor warnte beispielsweise auch schon die Berliner Beauftragte für Datenschutz in ihrem aktuellen Bericht. Sie empfiehlt, von der Nutzung von Skype in Bewerbungsverfahren generell abzusehen. Alternativ müsse das Einverständnis der Bewerber im Vorfeld schriftlich eingeholt werden – für die oberste Berliner Datenschützerin reicht selbst das nicht aus. Sie verweist darauf, dass dieses Einverständnis unter Umständen dem Druck geschuldet wäre, als Bewerber nicht schon im Vorfeld negativ aufzufallen. Auch könne eine Behörde den Bewerber gar nicht transparent informieren, da niemand wirklich wisse, was Skype beziehungsweise Microsoft mit den Daten anstellt.

Fazit: kritisch ist Skype in jedem Fall, in dem es um den Austausch personenbezogener Daten oder vertraulicher Informationen geht! Die Berliner Datenschutzbeauftragte rät beispielsweise auch schon für den Einsatz in Videokonferenzen, einen Anbieter mit Sitz in der Europäischen Union zu wählen. Problem: das Angebot ist dann nicht mehr kostenlos.